Hamburger Sport-Verein e.V.

"Wir müssen unsere Spitzensportler noch bekannter machen"


Interview der Woche mit Kumar Tschana

Mehr als 7.000 Sportler und Sportlerinnen sind in den über 30 Sportarten des HSV aktiv. Im Interview der Woche spricht Kumar Tschana, Leiter Amateursport beim HSV e.V., über bereits realisierte wie auch aktuelle Projekte, HSV-Spitzensport abseits des Profifußballs und die Bedeutung des Ehrenamts.

Du bist seit 2015 als Leiter Amateursport beim HSV tätig. Was hat sich seitdem getan, welche Projekte konnten angestoßen werden?


Wir konnten in den vergangenen drei bis vier Jahren viele Projekte auf den Weg bringen und realisieren. Der HSV e.V. hat einige Sportarten neu aufgenommen - hier sind vor allem Futsal oder Beachsoccer zu nennen oder auch der Trendsport Disc Golf, mit dem wir auch das ‚Active City‘-Konzept in Hamburg aufgreifen. Zudem haben wir in diversen Abteilungen Strukturen verändert, beispielsweise die Zusammenlegung der Leichtathletikabteilung mit Sport für Kinder sowie die Zusammenlegung der Fußballabteilungen, um inhaltlich noch stärker aufgestellt zu sein. All diese Umstellungen haben sich schon jetzt ausgezahlt - wir konnten einen Zuwachs an neuen Mitgliedern verzeichnen, durch die Umstrukturierung in den Abteilungen einen reibungslosen Übergang von klein zu groß gewährleisten und somit auch das Ehrenamt entlasten. Aktuell sind wir mit Unterstützung der HSV-Campus gGmbH dabei, Digitalisierungsprozesse innerhalb unseres Vereins voranzubringen. Der Startschuss dafür erfolgte auf der Mitgliederversammlung mit der elektronischen Abstimmung und dem Verzicht auf Stimmzettel. Da haben wir Neuland betreten. Wir sind insgesamt auf einem sehr guten Weg, den Sport im HSV stetig weiterzuentwickeln.


Vor einigen Jahren führte der HSV das Top-Team-Konzept ein und immer mehr Förderer und Sponsoren möchten diesen Weg mitgehen. Wie bewertest du die aktuelle Situation in diesem Bereich und wie sieht die weitere Planung aus?


Richtig, mit meinem Start beim HSV wurde auch das Top-Team-Konzept ins Leben gerufen und es ist definitiv ein Erfolg. Das sieht man auch an den Athleten, die wir bereits in den Verein integrieren konnten und hier betreuen. Einer der wichtigsten Punkte des Top-Team-Konzepts ist, dass wir in den höchsten Ligen verschiedener Sportarten vertreten sind und auch in Zukunft vertreten sein wollen. Mit Tobias Lietz haben wir dafür einen Spitzensportkoordinator, der die Belange der Athleten als ehemaliger Top-Sportler sehr gut versteht. Ein wichtiges, aber auch komplexes Thema ist darüber hinaus natürlich die Sponsorensuche für die Sportarten. Es gibt immer wieder Unternehmen, die uns begleiten und unterstützen - beispielsweise wird die Eishockeyabteilung oder auch HSV III hervorragend von diversen Partnern unterstützt. Auch die HSV-Panthers haben mit Capelli Sports seit kurzem einen Sportausrüster als Partner. Das Interesse ist definitiv da, aber es ist ein hartes Stück Arbeit, jedes Jahr aufs neue Partner zu finden, die den Sport im HSV unterstützen. Das zeigt sich auch bei den BG Baskets Hamburg, die stetig neue Partner gewinnen und wenn diese erst einmal dabei sind, unterstützen sie uns dort über mehrere Jahre - wie zum Beispiel das BG Klinikum, Lotto Hamburg und Stolle. Insgesamt müssen wir unsere Spitzensportler und -mannschaften aber noch bekannter machen und weitere Partner finden. Dabei ist es auch unser Wunsch, Partner zu generieren, die das Spitzensportkonzept übergeordnet unterstützen. Für die Unternehmen hat dies natürlich den Vorteil, in vielen Sportarten präsent zu sein und die Reichweite zu erhöhen.



Aktuell sind dreizehn HSV-Athletinnen und -Athleten im Team Hamburg vertreten und erhalten so im Hinblick auf die olympischen und paralympischen Spiele zusätzliche Förderungen. Wie empfindest du die zahlreichen Nominierungen?


Der gesamte Verein und ich persönlich sind sehr stolz auf unsere Athletinnen und Athleten, die es ins Team Hamburg geschafft haben. Daran zeigt sich, dass unser Spitzensportkonzept aufgegangen ist. Wir freuen uns immer, wenn wir positives Feedback erhalten, legen aber trotzdem viel Wert darauf, uns regelmäßig weiterzuentwickeln. Dazu zählt auch, in Sportarten zu investieren, die - beispielsweise im Gegensatz zur Leichtathletik - nicht unbedingt als Kernsportart in Hamburg gesehen werden. Unser generelles Ziel ist es, die Kernsportarten im HSV weiter zu stärken und uns national und international gut aufzustellen.



In deiner Funktion stehst du in Kontakt zu vielen Ehrenamtlichen, die im HSV in den jeweiligen Sportarten aktiv sind. Welche Bedeutung hat das ehrenamtliche Engagement für dich?


All das, was wir im gesamten HSV e.V. bisher erreicht haben, war nur durch die zahlreiche ehrenamtliche Unterstützung im Verein möglich. Ehrenamtler sind generell die tragende Säule unseres Vereins, im Amateursport unterstützen uns knapp 300 Mitglieder auf ehrenamtlicher Basis. Sie betreuen beispielsweise die Mannschaften, waschen Wäsche oder füllen Spielberichtsbögen aus, aber auch jede Abteilung wird ehrenamtlich geführt. Unser ehrenamtlicher Amateurvorstand und die Mitarbeiter der Geschäftsstelle stehen im ständigen Austausch mit den Ehrenamtlichen und unterstützen sie natürlich auch, wenn sie Hilfe benötigen.



Vergangene Woche startete für dich die Sportmanagement-Weiterbildung der Universität St. Gallen in Kooperation mit dem FC Schalke 04, an der auch ehemalige Profi-Fußballer wie Mladen Petric oder Philipp Wollscheid teilnehmen. Was erwartest du dir von dem viermonatigen Programm?


Für mich war das eine sehr interessante Woche. Nicht nur, weil mit Mladen Petric einer meiner früheren Lieblingsspieler dabei war, sondern auch der Inhalt genau auf die Bereiche abzielt, in denen ich mich definitiv noch weiterbilden kann und möchte. Es hat mir gezeigt, dass es genau der richtige Weg ist, sich regelmäßig fortzubilden und das empfehle ich auch unseren Trainern und Mitarbeitern. Eine Weiterbildung bringt immer frischen Wind mit sich und da möchte ich als Vorbild vorangehen. Ich werde sicherlich auch zahlreiche Ideen mitbringen, die wir im Verein in Zukunft umsetzen können. Aber auch das Netzwerk hilft enorm in der täglichen Arbeit und ich bin sehr gespannt, was die nächsten drei Wochen des Programms mit sich bringen. Es wird auf jeden Fall eine sehr intensive, interessante und schöne Zeit.


11
Apr '19
  • Interview der Woche