Hamburger Sport-Verein e.V.

Lasst uns wieder glaubhaft werden!


Ein Kommentar von Tim-Oliver Horn

In wenigen Tagen ist Trainingsbeginn für die Saison 2019/20 – eine Sommerpause so kurz wie selten, aber doch lang genug, um einmal zu reflektieren, was uns schon länger beschäftigt. Nicht auf dem Platz, sondern generell. Es geht uns darum, wie wir uns als HSV präsentieren. Unabhängig von sportlichen Leistungen. Sportliche Leistungen sind das Resultat einer Arbeit, die an der Basis anfängt und auch verbunden ist mit Identifikation. Und genau da stimmt es für uns oftmals nicht.

Präsentation, Kommunikation, Identifikation. Das sind für uns die Kernthemen. Die Identifikation ist das, was heute einen Fußballverein noch vom Wirtschaftsunternehmen unterscheidet. Kein Mensch würde auf die Idee kommen einen DAX-Konzern bei der Präsentation der neuen Produkte anzufeuern und hinterher zu reisen. Leider werden die Fans und das Publikum in den vergangenen Jahren zunehmend als zahlungskräftiges Beiwerk gesehen, und nicht als das, was sie eigentlich sind: das Herz und die Seele des Vereins. Wir brauchen nicht unzählige Marketingsprüche, sondern ein gelebtes Miteinander. Fans, Mitarbeiter, Spieler – sie alle sind zu gleichen Teilen der HSV.

Seit Jahren lassen wir uns zudem von der Öffentlichkeit und den Medien treiben. Dinge von denen wir überzeugt sind, sollten wir aber auch gegen den Widerstand der Öffentlichkeit durchsetzen. Wichtig ist, dass wir eine klare Haltung entwickeln, die Teil unserer Identität ist und für diese Haltung einstehen.

Und zu dieser Haltung gehört auch, dass wir uns nach außen glaubhaft präsentieren und realistisch auf die Veränderungen blicken, die der HSV in den vergangenen Jahren durchlebt hat. Viele Jahre haben wir allen durch eine Uhr im Stadion symbolisiert, dass wir von Beginn an in Deutschlands höchster Liga spielten. Und als es mit der 1. Bundesliga vorbei war und ein sehr guter Zeitpunkt gewesen wäre, diese Uhr ins Museum zu hängen, präsentierten wir der Welt lieber, dass wir so viel mehr Tradition haben als alle anderen. Hanseatisches Understatement sieht anders aus.
Und genauso ist es mit der Stadionhymne, in der es in keiner Textstelle um den HSV geht, in der wir immer noch von Juve oder Rom träumen und in der wir heute noch davon singen, dass es für Bremen hier nix zu holen gibt. Wollen wir mal ehrlich sein? Bremen hat uns über Jahre abgehängt, hat uns am Ende immer geschlagen, wenn es darauf ankommt und wir singen: „…gibt’s für dich hier nix zu holen.“

Bei der Uhr machen wir jetzt den aus unserer Sicht richtigen Schritt und sie landet im Museum. Lasst uns nun in der nächsten Saison auch ein Lied über den HSV singen, wenn der Kran nach oben fährt. Gerne auch ohne Kran.

Das sind aber nur zwei Beispiele von vielen Punkten, die wir im HSV ändern müssen.

Was wir uns für die neue Saison wünschen? Einen HSV, in dem Taten mehr zählen als Worte, einen HSV, den man wieder respektiert und einen HSV, der Haltung zeigt und wieder in allen Bereichen eine Identität entwickelt, die authentisch ist.

Wir setzen uns dafür ein und bieten wie immer unsere Hilfe an.

Tim-Oliver Horn
Abteilungsleiter
HSV Supporters Club


12
Jun '19
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