Hamburger Sport-Verein e.V.

„Jetzt verstehe ich, wie schwer es ist, ein Fußballspiel zu leiten“


Interview der Woche mit Jin-Marc Hafeneger

Bereits fünf Jahre ist Jin-Marc Hafeneger aktiver Schiedsrichter im Hamburger SV. Seit Sommer 2018 ist er als Spartenleiter für alle Geschicke rund um die Schiedsrichter im HSV verantwortlich. Im Interview der Woche spricht der 27-Jährige über seine besonderen persönlichen Erlebnisse als Spielleiter, seinen Weg zum HSV und erklärt euch die Vorteile eines Referees.

Seit wann bist du beim HSV und wie bist du dazu gekommen?

Ich bin hauptsächlich über meinen Föhrer Freundeskreis zum HSV gekommen und natürlich dadurch, dass ich auch in Hamburg geboren bin. Seit Juni 2007 bin ich nun Mitglied im Hamburger Sport-Verein. Zunächst war ich in der Abteilung Supporters Club, bis ich mich 2013 dazu entschieden habe einen Schiedsrichterschein zu machen. Ich habe mich bei den Spielen mit HSV-Beteiligung immer dermaßen über manche Entscheidungen der Schiedsrichter aufgeregt und diese überhaupt nicht verstanden, dass ich mich entschlossen habe, selber Fußballspiele zu pfeifen. Den Schiedsrichterschein habe ich jetzt ungefähr fünf Jahre und leite pro Saison circa 40 Spiele. Inzwischen hat sich auch meine Sichtweise auf die Schiedsrichter geändert. Jetzt verstehe ich, wie schwer es für Schiedsrichter, sowohl in der Bundesliga, als auch in Amateurligen ist, Spiele zu pfeifen. Seit Sommer 2018 habe ich zudem das Amt des Spartenleiters der Schiedsrichterabteilung übernommen und kümmere mich seitdem um alle Ansetzungen und das Werben neuer Schiedsrichter.

Der HSV e.V. sucht aktuell dringend neue Nachwuchs-Schiedsrichter. Warum soll man Schiedsrichter beim HSV werden und welche Vorteile bringt das Schiedsrichter-Amt?

Der HSV e.V. hat ein Sollwert von 49 Schiedsrichter, die der Verein aufweisen muss. Aktuell fehlen allerdings 34 Schiedsrichter. Dementsprechend suchen wir dringen Nachwuchs-Schiedsrichter, die Lust haben, für den Hamburger Sport-Verein Fußballspiele zu pfeifen. Wir fördern und begleiten jeden Neu-Schiedsrichter bei den ersten Spielen und es gibt bei uns immer einen Ansprechpartner für jegliche Fragen oder Probleme. Zudem bietet der HSV eine gute und familiäre Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig schätzt und unterstützt. Als Schiedsrichter erhält man beim HSV eine kostenlose Vereinsmitgliedschaft mit allen Vorteilen eines normalen Mitglieds. Wir statten jeden Schiedsrichter komplett mit Trikot, Hose und Stutzen aus. Zudem gibt es die Möglichkeit, bevorzugte Schiedsrichterkarte für die Heimspiele des HSV zu erhalten und besonderes engagierte Schiedsrichter dürfen beim alljährlichen Sponsoren-Cup im Volksparkstadion pfeifen. Dazu gibt es noch zahlreiche weitere Vorteile, wie zum Beispiel eine Aufwandsentschädigung für die geleiteten Spiele oder den grundsätzlich freien Eintritt zu allen Spielen auf DFB-Ebene.

Was sollte man mitbringen, um Schiedsrichter zu werden?

Als Schiedsrichter hast du großen Einfluss und dementsprechend auch eine große Verantwortung. Du bist Entscheidungsträger für alle Situationen, die auf den Platz in den jeweiligen Spielen stattfinden. Deshalb ist Stressbeständigkeit ein ganz wichtiger Faktor. Schiedsrichter müssen auch in schwierigen Situationen einen "kühlen" Kopf bewahren, um richtig zu entscheiden. Sie haben oftmals auch eine Schlichter-Funktion. Dazu spielen Attribute, wie Präzision, Bescheidenheit und Selbstbewusstsein eine große Rolle, um ein guter Spielleiter zu sein. Man muss teilweise unter erschwerten Bedingungen schnell und überzeugend die richtigen Entscheidungen treffen, um die Kontrolle über das Spiel zu haben, ohne dabei selbst in den Mittelpunkt des Geschehens zu geraten.

Was war das speziellste Erlebnis, das du bisher als Schiedsrichter erlebt hast?

Ich finde es schwierig, mich da auf ein spezielles Erlebnis zu beschränken. Es gab viele besondere Erlebnisse in meiner bisherigen Schiedsrichter-Karriere. Natürlich gilt es da unteranderem das erste Spiel zu nennen, welches ich alleine pfeifen durfte. Ich war so nervös, dass ich meine Pfeife vergessen habe. Das Spiel wurde zehn Minuten später angepfiffen, weil ich noch einmal zur Kabine laufen musste, um meine Pfeife zu holen. Ein anderes unvergessliches Erlebnis war, als ich vom Teammanager der HSV-Profis angerufen und gefragt wurde, ob ich ein internes Testspiel leiten möchte. Mit den Profis auf dem Trainingsplatz zu stehen und das Spiel zu leiten, war für mich ein cooles Gefühl. Zudem ist es immer schön, beim Sponsoren-Cup mitzuwirken und Spiele im Volksparkstadion zu pfeifen.

Wenn du nicht gerade selber pfeifst oder die Schiedsrichter-Geschicke im HSV e.V. leitest, was machst du dann privat?

Wenn ich nicht gerade selber pfeife, bin ich sehr gerne auf Reisen, natürlich immer in Verbindung mit Fußballspielen. Ich gehe in meiner Freizeit viel Laufen und mache gerne Fahrradtouren. Zuhause kümmere ich mich um die Haus- und Gartenarbeit und, wenn es meine Zeit zu lässt, besuche ich so oft es geht, die Heim- und Auswärtsspiele des HSV. Außerdem schaue ich auch gerne bei Spielen der „Dritten“ vorbei.


15
Mai '19
  • Interview der Woche