
HSV-Frauen
18.06.26
„Extrem große Schritte nach vorne“
Dreifacher Pokal-Triumph, zwei Europameisterinnen, strukturelle Entwicklung – Jannik Kovar, Koordinator Nachwuchsfußball weiblich, blickt auf die vergangene Spielzeit zurück.
Jannik, welche Themen konnten im weiblichen Nachwuchsfußball beim HSV in der abgelaufenen Saison angestoßen werden?
Ich blicke auf eine Saison zurück, in der wir extrem große Schritte nach vorne gemacht haben. Das gilt vor allem für die strukturelle Entwicklung, aber auch für die inhaltliche Konzeption unserer Arbeit. Wir konnten unser Team personell erweitern, beispielsweise durch die Einbindung von Sportpsychologen, zusätzliche Athletikangebote und mehr physiotherapeutische Betreuung. Das hilft uns enorm dabei, unseren Spielerinnen die bestmöglichen Rahmenbedingungen für ihre Entwicklung zu bieten.
Dazu haben wir durch den Umzug der HSV-Frauen ins Volksparkstadion zusätzliche Kapazitäten auf der Paul Hauenschild Sportanlage in Norderstedt gewonnen – von besseren Kabinen für die Nachwuchsteams bis hin zu mehr Möglichkeiten im Trainingsalltag. Diese neuen Strukturen haben wir direkt mit Leben gefüllt. Trainermeetings finden inzwischen alle zwei Wochen statt, wir arbeiten an einer gemeinsamen DNA und verfolgen einen klaren, zielstrebigen Spielansatz.
Auch abseits des Platzes haben wir Fortschritte erzielt. Unser WG-Konzept wächst weiter, sodass mittlerweile vier weitere Spielerinnen in Norderstedt leben und von den optimalen Bedingungen profitieren können. Dass wir als Talentförderzentrum anerkannt wurden, bestätigt diesen Weg. Es zeigt, dass wir strukturell auf dem richtigen Kurs sind. Ein besonderer Dank gilt dabei auch unseren Partnern und Förderern, die viele dieser Entwicklungen überhaupt erst ermöglichen.

Wie bewertest Du die sportliche Entwicklung der Teams?
Mein sportliches Fazit fällt gut bis sehr gut aus. Besonders im jüngeren Bereich haben wir eine tolle Entwicklung gesehen. Im älteren Nachwuchsbereich haben wir die Anforderungen bewusst erhöht und uns intensiv damit beschäftigt, wie wir trainieren und welche Inhalte wir vermitteln wollen.
Gerade in der individuellen Entwicklung haben viele Spielerinnen große Schritte gemacht. Wir haben unser Trainingskonzept angepasst und arbeiten inzwischen länger und intensiver als zuvor. Das ist zunächst natürlich eine höhere Belastung und kann sich kurzfristig auch auf die Leistungsfähigkeit im Wettbewerb auswirken. Langfristig sind wir aber überzeugt, dass dieser Weg die Spielerinnen deutlich besser auf ihre nächsten Entwicklungsschritte vorbereitet.
Welche Momente sind dir aus der vergangenen Saison besonders in Erinnerung geblieben?
Da gab es einige Highlights. Ein ganz besonderes Ereignis war sicherlich der erste Rauten-Cup im vergangenen Jahr. Dabei kamen Spielerinnen aller Altersklassen zusammen, und sogar die Spielerinnen der 1. Frauen waren als Trainerinnen vor Ort. Es war schön zu sehen, wie schnell ein teamübergreifendes Gemeinschaftsgefühl entstanden ist.
Gerade die jüngeren Spielerinnen waren anfangs noch etwas nervös, als sie auf die älteren Spielerinnen getroffen sind. Beim zweiten Rauten-Cup war das schon ganz anders, weil man sich bereits kannte. Genau diese Verbindung zwischen Profi- und Nachwuchsbereich möchten wir weiter stärken und den Rauten-Cup deshalb auch künftig fortführen.
Natürlich waren auch die sportlichen Erfolge beeindruckend. Unsere U13, U15 und U17 konnten jeweils den Hamburger Pokal gewinnen. Die U17 erreichte zudem das Viertelfinale im DFB-Pokal und lieferte sich in Leipzig ein sehr emotionales Spiel. Trotz 50 Minuten in Unterzahl kämpfte sich das Team bis ins Elfmeterschießen, das dann leider verloren ging.
Auch die U20 hat die Saison mit dem Derbysieg gegen St. Pauli und einem 0:0 gegen den Meister aus Kiel gut beendet. Dazu kommen zwei leistungsstarke Siege im Nordderby gegen Werder Bremen.

Die individuelle Förderung spielt beim HSV eine große Rolle. Welche Beispiele haben dich besonders gefreut?
Im Oktober konnten gleich sechs Spielerinnen aus der U17 und U20 beim Training der HSV-Frauen mitwirken. Das ist ein tolles Zeichen für die Qualität unserer Ausbildung. Besonders gefreut hat mich auch, dass Clementine Engel beim Bundesliga-Spiel gegen Bayern München im Kader stand.
Darüber hinaus hatten wir mit Clementine und Lena Martens zwei Spielerinnen, die U17-Europameisterinnen geworden sind. Insgesamt waren fünf Spielerinnen immer wieder bei Lehrgängen der U16-Nationalmannschaft dabei und drei weitere bei der U17. Zudem sind es jetzt auch einige bei den kommenden Perspektivlehrgängen der U15 dabei. Das zeigt sehr deutlich, dass wir die individuelle Entwicklung unserer Spielerinnen in den Mittelpunkt stellen und sie auf ihrem Weg bestmöglich unterstützen.
Du bist nun seit einem Jahr beim HSV. Wie fällt Dein persönliches Fazit aus?
Für mich persönlich war es ein Jahr voller Leidenschaft und Freude. Gleichzeitig gab es viele Herausforderungen, die mich persönlich weitergebracht haben. Ich habe viel darüber gelernt, wie man ein großes Staff-Team führt, wie man auch schwierige Entscheidungen trifft und wie wichtig es ist, die richtigen Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Spielerinnen zu schaffen.
Worauf dürfen wir uns in der kommenden Saison freuen?
Wir werden unseren eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Ein wichtiger Schwerpunkt wird die Einführung unseres U19-Konzepts sein. Darüber hinaus wollen wir die individuelle Förderung der Spielerinnen noch stärker in den Fokus rücken und unsere Strukturen weiter ausbauen. Außerdem arbeiten wir an weiteren spannenden Projekten. Mit der Initiative „Hamburg wächst“ möchten wir insbesondere die jüngsten Mädchen stärken und noch mehr Talente für den Fußball begeistern. Unser Ziel ist es, den weiblichen Nachwuchsfußball beim HSV Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und nachhaltig aufzustellen.
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